05.08.2026 Radtour in der Probstei – Ziel die Strohfiguren

Moin, Moin!


Heute möchte ich euch die Region, in der ich wohne, näher bringen: die Probstei. Der Landstrich liegt östlich von Kiel im Kreis Plön und wird im Norden von der Ostsee begrenzt. Der südlichste Zipfel grenzt an den Selenter See. Anlass für diesen Bericht sind die seit 25 Jahren stattfindenden Probsteier Korntage.
Jedes Dorf baut dann eine Strohfigur nach seinen eigenen Ideen. Es gibt also kein Jahresmotto für die Veranstaltung. Hier ist die Kreativität der Strohfigurenteams in den Dörfern gefragt. Und jedes Jahr gibt es aufs Neue unglaubliche Kunstwerke/Figuren.
Die Idee, so etwas in der Probstei zu installieren, hatte vor über 25 Jahren der damalige
Geschäftsführer des Tourismusverbandes Probstei. Er hatte auf einer Messe in Leipzig die Begegnung mit einer Frau (Strohlinchen) aus Stadtroda (dort war ich erst vor Kurzem bei meiner Radtour), die dort an einem Wochenende Strohtage durchführte. Hier haben Gruppen/Verbände die Strohfiguren gebaut. Und das war die zündende Idee dies auch in seiner Heimat zu machen und um den Menschen „Reiseanlässe“ zum Besuch der Probstei zu geben.
Also habe ich mich am 05.08.2026 auf das Rad gesetzt und habe alle 19 Figuren in den Dörfern besucht. Die gesamte Strecke ist ca. 53 km lang und auch an einem ganz normalen Wochentag trifft man Personen, die sich diese Werke in den Dörfern ansehen möchten. An guten Wochenenden sind bis zu 500 Leute unterwegs und freuen sich, wenn es an den diversen Stellen Kaffee/Kuchen und Grillwürstchen gibt – so wie bei uns an der Lutterbeker Strohfigur am 02.08.26.


Wie es sich gehört, gibt es auch eine Kornkönigin und eine Kornprinzessin. Die Kornprinzessin wird im nächsten Jahr die Kornkönigin und aus einem der Dörfer kommt die neue Prinzessin.

Titelbild der Zeitschrift für die Probsteier Korntage
Die Radrunde

Start: Zu Hause …
und schon nach 200 Meter bin ich hier.


Lutterbek hat etwas mehr als 300 Einwohner und wurde erstmals 1240 erwähnt, als das Kloster von Preetz für einige Jahre nach Lutterbek verlegt wurde. Der Mittelpunkt des Dorfes ist die Kneipe „Der Lutterbeker“.


… 2,2 km weiter …

„Dat Beste in de Probstee is dat grote Söken na de Strohfigur“

Die Gemeinde Prasdorf (460 Einwohner) wird ebenso wie Lutterbek erstmals 1240 als Dorf des Propsten erwähnt. Landschaftlich wird Prasdorf durch das Tal der Hagener Au mit Wiesen und Weiden sowie den Hangwaldbereichen geprägt. Der Ort hat zwei große Ferienhöfe mit Ponys und Pferden und einen schönen Dorfteich.


Bei km 5,1 steht die Eisenbahn ..

„Unsere Bahn fährt“

Die drittgrößte Gemeinde Probsteierhagen (2450 Einwohner) kann mit einem Herrenhaus von 1649…

.. und der evangelischen Kirche aus dem 13. Jahrhundert punkten.

Im Ort gibt es noch diverse Einkaufsmöglichkeiten und kleine Handwerksbetriebe.
Und bei km 7,7 stehen Ernie und Bert mit Kumpels am Ortsanfang in Passade.

„Sesamstraßen-Ampel“

Passade, am Passader See gelegen, …

.. trumpft aus meiner Sicht mit dem großen Biobäcker auf.

Der Ortsname kommt aus dem Slawischen und gute 350 Einwohner fühlen sich hier wohl.
Als nächstes erreiche ich bei km 10,5 die kleinste Gemeinde auf meiner Runde: Fahren mit 130 Einwohner. Jedes Jahr aber immer wieder mit einer tollen Strohfigur. Fahren liegt auch noch am Passader See.

„Mit dem Drachenboot starten Fahren durch“

Im Ort gibt es, so wie in den anderen Gemeinden auch, noch reetgedeckte Häuser.

Durch abgeerntet (Bio-)Kornfelder erreiche ich bei km 12,2 die Gemeinde Stoltenberg, die im südöstlichen Zipfel unseres Amtsbereiches liegt. Mit 330 Einwohnern liegt
der Ort im unteren Bereich der Einwohnerzahl. Schon seit Jahren gibt es die …

.. und daher auch immer wieder Figuren aus der Partnergemeinde.

„Probstei live – nix gestellt“

Nach Stoltenberg selber geht es bergauf und man hat einen schönen Blick auf den südlichen Uferbereich des Passader Sees mit vielen Gänsen.

Bis zur nächsten Strohfigur durfte ich jetzt 7,7 km fahren. Der Ort Bendfeld mit 200 Einwohnern (darunter ein guter Tischler) liegt am östlichen Rand der Probstei und ist wie die anderen Orte größtenteils landwirtschaftlich geprägt.
Bei km 19,5 steht die sehr politische Strohfigur.

„Armes Würstchen – reicher Sack“

Zum Teil gut versteckt: die alten Bauerhöfe im Ort.

Nach Stakendorf (480 Einwohner) war es wieder nur ein Katzensprung. Im Norden liegt das Gemeindegebiet am Strand der Ostsee. Schon bei km 22,7 steht die Strohfigur am Dorfteich.

„Lady Aperola“

Im Rahmen der Dorferneuerung wurden die alten Gebäude liebevoll restauriert. Eben jene, die vielen Teiche und der umfangreiche Baumbestand prägen das Ortsbild.

Km 25:
Die Ortschaft Krummbek hat in diesem Jahr das gute alte Wählscheibentelefon als Strohfigur gebaut.

„Das gute alte Telefon wird 150 Jahre alt“

Krummbek wurde 1286 erstmals erwähnt und hat heute knapp 400 Einwohner. Da die Figur am Ortrand steht, habe ich doch glatt vergessen ein Bild von dem kleinen Ort zu machen. Ich besuche den Ort häufiger, da es hier eine Biohofschlachterei gibt.
Die Ortsteile Höhndorf und Gödersdorf bilden die Gemeinde Höhndorf. Höhndorf wurde 1286 und Gödersdorf 1281 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Strecke von Krummbek nach Höhndorf legte ich gemeinsam mit einem Ehepaar aus der Nähe von Hamburg zurück. Und hier hatte ich auch schon die Hälfte der Strecke (km 27,3) abgefahren und auch die Hälfte der Figuren war hier erreicht.

„Mehr vom Meer“
Das Leuchtfeuer geht an und aus.

Die beiden sind reine Straßendörfer und auf die Schnelle fand ich kein schönes Motiv. Von hier aus ging es zum größten Ort und Sitz der Amtsgemeinde Probstei nach Schönberg. Die Figur steht seit Jahren neben dem kleinen Heimatmuseum bei km 30,1 km.

„Mobil mit Muskelkraft“

Die älteste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1259 und nennt zum ersten Mal den Namen Sconeberg (Schönberg). Schönberg wurde wahrscheinlich in der Zeit von 1245-1250 von Propst Friedrich gegründet.
Schönberg ist mit 6200 Einwohnern die größte Gemeinde in der Probstei und hat einen rund 6 km langen Sandstrand mit den netten Ortsteilen Kalifornien, Brasilien und dem Schönberger Strand. Hier bietet eine Museumseisenbahn regelmäßige Fahrten an. Schönberg ist ein Unterzentrum der Landeshauptstadt Kiel und verfügt über diverse Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Apotheken und viele leistungsfähige Handwerksbetriebe. An dem Küstenstreifen findet jeder Urlaubsgast ein Hotel oder eine Ferienwohnung. Bis vor wenigen Jahren hatte der Ort auch eine Jugendherberge im Ortszentrum. Die vielen Campingplätze liegen wie auf einer Perlenschnur zwischen Laboe und Schönberg direkt hinter dem Deich.

Die „Kirche“ als Strohfigur

Fiefbergen, die Gemeinde mit guten 500 Einwohnern, liegt im Herzen der Probstei.  Die Fledermaus ziert das Wappen und glücklicherweise findet sie in unseren Gefilden noch einen natürlichen Lebensraum. Bei km 33,1 steht, mitten auf dem Dorfplatz …

„Muddi-Tasking“

Auch hier traf ich, wie bei den anderen Figuren, viele Menschen auf Erkundungstour. Einige traf ich davon im nächsten Ort wieder. Das Wahrzeichen des Ortes mit 400 Einwohnern ist die Mühle.

Hier finden regelmäßige Führungen statt und an besonderen Tagen wird das gute Mühlenbrot gebacken. Vor der Mühle bei km 36,8 steht seit einigen Jahren die Strohfigur.

„Alle meine Entchen – Badespaß in Krokau“

Ein Großfeuer im zweiten Weltkrieg zerstörte große Teile des alten Ortskernes. Dadurch ist die typische Anordnung der Häuser in Form eines Rundlings nicht mehr erkennbar. Vom Badespaß zum „Bett im Kornfeld“ in Wisch sind es nur 400 m. Die Strohfigur liegt neben der B 502. Dadurch fahren nicht sehr viele durch den netten Ort. Der Ort wurde erstmalig 1216 erwähnt und ist damit eines der ältesten Dörfer der Probstei. Heute wohnen hier 650 Menschen.

Das Straßendorf Barsbek, mit einem schönen Dorfanger, hat dieses Jahr die Eröffnungsfeier ausgerichtet. Hier wurden einige Kornköniginnen aus 25 Jahren vorgestellt. Als Gäste waren Majestäten aus anderen Regionen, wie z.B. die Heideköniginnen aus Amelinghausen, die Kohlkönigin aus
Dithmarschen, zu Gast.

„Fiete Tentakel – unser Glück hat acht Arme“
Hier ist die Krokuswiese im Frühjahr.

Barsbek (600 Einwohner) ist reich an schönen alten Gebäuden und hat einen herrlichen Dorfanger, der besonders zur Krokusblüte ein Anziehungspunkt ist. Bei km 39,9 verließ ich Barsbek in Richtung Wendtorf. So, wie auf den beiden nächsten Bildern, sieht es zurzeit fast überall in der Probstei aus.

Ankunft bei km 41,5.

„Grizzy und die Lemminge“

In der Probstei hat der Ort Wendtorf mit fast 1000 Einwohnern ein Alleinstellungsmerkmal. Nur hier gibt es einen Jachthafen mit seinen erst vor Kurzem neu geschaffenen Ferienwohnungen/-häusern.

Im Vordergrund die neuen Ferienhäuser – im Hintergrund bauten aus den 70 ziger Jahren.

Das angrenzende Naturschutzgebiet NSG Barsbecker See war früher ein Teil der Ostsee. Erst der Deichbau ermöglichte dieses NSG mit seinen noch in Teilen erhaltenen Salzwiesen.
Entlang der Küste fuhr ich zum Badeort Stein. Stein hat einen sehr schönen flachen Strand, ideal für Familien mit kleinen Kindern. Will man ins tiefere Wasser, nutzt man gerne die kleine Seebrücke und zur Entspannung bietet sich die Lokalität „Tatort Hawaii“ an oder man versorgt sich beim Fischer Rönnau mit Produkten aus dem Meer und setzt sich wieder oben auf dem Deich. Es soll sich auch sehr gut am Strand heiraten lassen!

Dazu passend das Motto der Strohfigur bei km 43,4.

„Schätze des Meeres“

Das bald 800 Jahre alte Dorf ist eingebettet in eine herrliche Landschaft zwischen Meer, Steilküste, Feldern und Salzwiesen. Heute leben hier 850 Menschen abseits der großen Straßen.
Neben Schönberg ist wohl Laboe der wohl bekannteste Ort in der Probstei. Laboe mit seiner landschaftlich einmaligen Lage liegt an der Sonnenseite der Kieler Förde und ist das Eingangstor zur Probstei. Der Tourismus im 5500 einwohnerstarken Ort steht auch hier an erster Stelle. Die bekanntesten Wahrzeichen …

… und

Abseits der Strände mit den Strandkörben kann man hier auch sehr gut surfen lernen.

Der Kurstrand liegt noch weiter in die Förde rein – hinter der Schwimmhalle (derzeit geschlossen).

Laboe ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Ein Highlight dabei ist die Anbindung mit den Fördeschiffen aus Kiel.
Oberhalb der Strandpromenade, am großen Parkplatz bei km 47 steht die Strohfigur.

„Willkommen im Bistro Petite Tini“

Leider gab es hier ein paar Idioten, die die Figur etwas zerstört haben. Aber das fleißige Team hat wieder alles nett hergerichtet. Von hier ging es nun zur letzten Strohfigur nach Brodersdorf. Die Figur steht im Kreisverkehr am Ortseingang. Als Autofahrer sieht man diese Figur bei der Ein- und Ausfahrt nach Laboe jedes Mal. Nur der Zugang zur Strohfigur ist dadurch nicht ganz ungefährlich. Im letzten
Jahr hat es allerdings der Maulwurf ..


.. auch sicher dort hingeschafft. In diesem Jahr hat das Strohfigurenteam der 400
Einwohnergemeinde Brodersdorf wieder etwas Tolles geschaffen. Der …

„Hier hat`s geklappert – Storch außer Kontrolle“

.. ist bei km 50,5 gelandet.

Nach Angaben der Brodersdorfer Chronik von 1986 entstand der Ortsname durch folgende Begebenheit: Im Adelsgeschlecht von Laboe wuchsen um 1280 zwei Söhne heran. Der Ältere sollte den Hof in Laboe übernehmen und für den Jüngeren wurde einige Meilen entfernt ein Waldstück gerodet und dort ein Hof angelegt. Gleichzeitig wurden vier Bauernstellen eingerichtet, die dem Hof abgabepflichtig waren. Herrenhof und Dorf wurden fortan Brodersdorf (Dorf des Bruders) genannt.

Ein sehr schön angelegter Baumlehrpfad lädt zum Bummeln und Lesen der Informationen ein.

Bei km 53,1 bin ich wieder in Lutterbek an der Strohfigur.

Nicht nur zum Zeitpunkt der Strohfiguren ist die Probstei also eine (Rad-)Reise wert. In den vielen Orten gibt es noch so manches mehr zu entdecken, als ich hier beschrieben habe. Erwähnen möchte ich noch, dass man an den Stränden morgens und abends die ein- und ausfahrenden Schiffe der Color Line und Stena Line perfekt sehen kann. Auch die vielen Kreuzfahrtschiffe fahren quasi an einem vorbei. Zur Sonnenuntergangszeit ist der Steiner Strand einfach nur romantisch.

Obengenannte Informationen sind zum Teil aus den Webseiten der Gemeinden entnommen.

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