Haig – Kleintettau 22.08.2020

Es gibt Tage, da hat die Wettervorhersage Recht. Ab ca. 14 Uhr sollte es besser und trockener werden. So war es dann auch. Also musste ich regelmäßig kleine Pausen machen, um dem stärksten Niederschlag zu entgehen. Nass bin ich zwar schon geworden, aber meine Taktik ist im Großen und Ganzen aufgegangen.

So sah es kurz vor dem Start am Hotel aus. Abends war der Biergarten gut besucht. Jedenfalls hatte auch dieses Wetter schöne Motive zu bieten.

 Von Haig ging es durch das Tal der Haßlach nach Stockheim hoch. Der Blick ins Tal sah dann so aus: 

Ganz langsam ging es bergauf. Nur die Aussichten blieben erstmal so wie gehabt. 

In Heinersdorf sollte ich dann in das Tal der Tettau radeln und hatte schon vorher einen kleinen Lichtblick am Horizont. 

Auf der jetzigen Fahrstrecke war die Grenze immer links und dabei auch fast in Sichtweite. In Heinersdorf sah ich heute zum ersten Mal den Kolonnenweg und hatte direkten Grenzkontakt. 

Wenig später stößt man auf die Straße von Stockheim nach Heinersdorf. Bis 1989 war hier Ende, wie man noch andeutungsweise erkennen kann.

An dieser Stelle gibt es wieder eine kleine Grenzdokumentation. Mit Mauer und Flußsperre in der Tettau. 

So nah standen die Häuser im Hintergrund an der Grenze. Auch hier diente die Mauer gleichzeitig als Sichtschutz. 

In der Mauer ein kleiner Beobachtungsturm mit Sehschlitzen für die Grenzsoldaten.

So sahen aber nur wenige Einwohner von Heinersdorf die Mauer von ihrer Seite. 

Und so sah die oben schon erwähnte Bachsperre aus. Der Bachlauf ist erst seit Kurzem wieder zurück gebaut worden – jetzt auch mit Fischaufstiegsmöglichkeit. 

Blick von der Westseite aus.
Blick von der Ostseite.

Zur Verdeutlichung der Situation ein Bild. Die orangene Linie war der Grenzverlauf. Da, wo der rote Punkt ist, sind alle Aufnahmen entstanden. 

Hier steht auch noch die Kontrollstelle. Diese wurde erst nach der Grenzöffnung errichtet. 

In den Jahren 1952 und 1961 erlebte der Ort größere Zwangsumsiedlungen. Rund 90 Personen konnten am frühen Morgen des 05.09.1952 gegen 09.00 Uhr noch fliehen. Daraufhin wurde der Ort von Volkspolizisten weitgehendst abgeriegelt. Es müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben. Trotz allem haben es so gegen 15:00 Uhr noch weitere 40 Personen geschafft die Grenzanlagen zu überwinden. Im Ort gab es ein großes Buswartehäuschen. Hier verbrachte ich dann gute 2 Stunden. Ab ca. 13:00 Uhr sollte es trocken werden. Das passte – und so setzte ich meine Fahrt ohne Regensachen fort und kurz hinter dem Ort entdeckte ich dieses Schild und Gebäude. 

Ich sah die „Jungs“ rauskommen. Bei Dunkelheit würde ich denen nicht begegnen wollen. Im Tal ging es weiter bergauf, was aber fast nicht spürbar war. Ich fragte mich, wann denn der starke Anstieg kommt, denn ich musste ja 350 Höhenmeter bewältigen. 

Für einen kleinen Moment war meine Ruhe und schöne Einsamkeit vorbei. Mir kam ein Polizeiwagen mit Blaulicht und Martinshorn auf dem Weg entgegen. Auch in diesem Abschnitt lag die Grenze immer auf meinem Weg oder direkt daneben. Ein netter Hinweis für Biker, die die jetzt von mir erreichte Straße wohl gerne nutzen. Getränke waren noch vorhanden. 

Im gesamten Tal ist früher auch mal eine Eisenbahn gefahren. Da sie aber auf der Strecke insgesamt 14-mal die „Seiten“ wechseln musste, wurde der Betrieb am 28.05.1952 eingestellt. Schon während der gesamten Fahrt konnte ich die alte Bahntrasse gelegentlich sehen. Hier an der Stelle noch mit einer Brücke für einen kleinen Seitenbach der Tettau.

Oder wenig später in der Ortschaft Schauberg. 

In der Ortschaft Sattelgrund – was für ein schöner und passender Name für meine Reise! –  machte die Grenze einen Knick nach links, sodass die spätere Ortschaft Tettau im Westen blieb. Geblieben ist der Grenzposten und Hinweisschilder zum Naturschutz im Grünen Band. 

In der Ortschaft Alexanderhütte fließen die Bäche sogar durch Häuser.

Wenig später erreichte ich dann mein Ziel: die Glasstadt Kleintettnau. Hier gibt es auch heute noch eine große Firma, die Gläser herstellt. 

Wie schon häufiger, gab es auch hier einen sehr seltsamen Grenzverlauf. Wie ein Finger zeigte Thüringen nach Bayern rein. Zum Glück mit gutem Verlauf für die Bewohner von drei Häusern. 

Die Häuser rechts gehörten zur DDR – zum Bier trinken sind sie immer in den Westen gegangen.
Glück gehabt – es gab einen neuen Grenzverlauf

So sieht es hier heute aus. Das Kornfeld war früher DDR-Gebiet. 

Das letzte Haus an der Grenze.
Das Kornfeld gehörte zum Gebiet der DDR.

Mit dem Bewohner des „letzten“ Hauses habe ich hier kurz gesprochen. Allerdings hat er dieses Gebäude erst vor 20 Jahren gekauft und konnte mir nicht so viel erzählen, obwohl er hier groß geworden ist. Aber er war auch gerade mal 45 Jahre alt.

Der neue Radweg, der hier nach der Wende entstanden ist, geht hoch zum Wanderweg des Rennsteigs. Beim Befahren des Weges wechselt man innerhalb kurzer Zeit zwei Mal die Bundesländer. 

Wie erwähnt, erreicht man am Ende des Weges die Wanderstrecke des Rennsteigs und hat die 700 m geschafft und damit den zweithöchsten Punkt auf der Strecke nach Hof.

 Auch hier trifft man wieder auf Martin Luther. 

Wie es sich gehört, müssen auch in heutiger Zeit Grenzpfähle aufgestellt werden. Aber hier sehr friedlich nebeneinander.

Trotz Ruhetag in der Pension wurde mir ein Abendessen zubereitet. Wie schön – es gibt hier nämlich auch sonst weiter kein Lokal. Allen Lesern, Freunde und meinen Liebsten einen schönen Sonntag.

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