Ummerstadt – Oberwohlsbach 17.08.2020

Ich habe es geschafft: Die Strecke war überwiegend flach und ging durch Täler und auch entlang von kleinen Flüssen. Die kleinen Steigungen zogen sich ganz langsam durch „Märchenwälder“ fast unmerkbar bergauf. Die ganz harten Steigungen kann ich hier unerwähnt lassen, weil sie nicht ins Gewicht fallen. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 15,2 km/h und das sagt alles über die Strecke aus.

Beginnen will ich heute einmal mit einem Bild meiner Unterkunft in Ummerstadt.

So oder ähnlich sahen heute meine Radwege aus. Es gab auch gute Schotterpisten, aber auf Asphalt lässt sich eindeutig besser fahren.

Wie der Name es schon vermuten lässt, gibt es oberhalb der Ortschaft Heldburg eine Burg: Die „Veste Heldburg“. Den Abstecher dorthin konnte ich mir leider heute nicht leisten.

Hier die Kirche des Ortes Streufdorf:

Streufdorf ist durch die Aktion „Ungeziefer“ bekannt geworden. Im Mai 1952 haben sich die Bewohner gegen Ihre Ausweisung gewehrt und schon verladenes Mobiliar wieder in ihre Häuser zurückgebracht. Den Widerstand, es gab auch Prügel für die Volkspolizei, konnten sie aber nur solange aufrechterhalten, bis die Volkspolizei Verstärkung herbeigebracht hatte. Anschließen verließen 80 Familien den Ort und sind ins nahe Bayern geflüchtet.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen Menschen getroffen. Nur ein paar Autofahrer, von denen noch immer nicht alle wissen, was 1,50m Abstand bedeutet. Auch in Streufdorf gibt es die Erdkeller und hier habe ich erfahren, wie man sie früher gebaut hat. Die Keller im Ort stammen von 1932/33 und sind rund um den Friedhof verteilt. Man hat hier den Berg per Hand von oben abgetragen und anschließend dann Gewölbe dort eingebaut. War man fertig, wurde das Ganze dann wieder mit der Erde zugeschüttet. Das ganze Jahr über wäre die gleiche Temperatur dort. Auch Pflanzen die im Winter rein müssen, werden von den Bewohner dort untergestellt. Wieder etwas gelernt.

Am alten Grenzpunkt bei Adelhausen gibt es eine Mosterei, die uns Radfahrern und Wanderern auf Vertrauensbasis Getränke zur Verfügung stellt. Großes Lob und die Apfelschorle hat mir sehr gut getan.

Auch hier stehen die großen Schilder und auch weitere Informationen zur Grenzöffnung.

Ab Lempertshausen fährt man bis fast nach Grattstadt durch einen dichten Wald und merkt es wirklich kaum, dass es stetig bergan geht. Hinter Grattstatt wartete dann das genaue Gegenteil. Die Strecke geht an unendlichen Felder durch ein Tal. Gesehen habe ich nur zwei Trecker bei der Feldarbeit.

Zwischen den riesigen Feldern gibt man der Natur aber auch eine Chance.

Das große Feld mit den Sonnenblumen und weiteren Blühpflanzen

Die schönsten Momente des Tages hatte ich in Görsdorf. Hier stehen noch rund 30m alte Mauerreste. Der Ort lag direkt an der Grenze und hat Glück gehabt. Die Bewohner durften bleiben, haben aber dafür in Richtung Westen eine Mauer erhalten.

Heute dient sie dem Naturschutz.

Am Informationspunkt traf ich vier Hotelgäste aus Ummerstadt, die mit dem Auto dort hingefahren sind. Hier zwei Bilder, die vom gleichen Standpunkt und mit gleicher Einstellung gemacht wurden. Diese zeigen, wie nah die Häuser dran standen. Der Beobachtungsturm des Ortes wurde abgerissen.

Im Januar 1968 wurde ein Bewohner des Ortes frühmorgens verhaftet, weil er zwei jungen Leuten zur Flucht verholfen hatte. Nach seiner Haft durfte er nicht mehr in sein Heimatort einreisen. Die Grenzöffnung hat er selber nicht mehr erleben können, weil er kurz vorher gestorben ist.

An die letzte Information bin ich nur auf Grund eines kräftigen Regens, von etwa einer Stunde gekommen.

Ich hatte mich im Bushäuschen untergestellt und wurde wenig später vom Bauern des ältesten Hauses im Dorf – der Nummer 1 – eingeladen. Bei einem Becher Kaffee (die Frau hatte den Kaffee schon aufgesetzt) und Brötchen mit ganz frischem Honig erzählten sie mir dann beide etwas vom Alltag in der DDR. Von Ihrer Haustüre konnten sie immer auf die Mauer sehen. Hinter der Mauer standen sehr häufig die „Westverwandten“ und haben nach drüben geschaut.  Winken war für die „Ostbewohner“ strengstens verboten. Den Mauerrest als Mahnmal finden beide sehr gut. Es war eine schöne Zeit mit den beiden.

Das Begrüßungsschild stand für mich auf der falschen Seite – hier bin ich aus dem Ort rausgefahren.

Die Landschaft blieb sich heute mit Tälern und leichten Hügeln treu.

Auch heute ging der Weg zum Teil eng am ehemaligen Grenzverlauf entlang. Hier ein Bild, wie nahe auch Emstadt an der Grenze lag. Der Wald hinter dem Ort war für die Einwohner nicht erreichbar. Dort stand der Zaun und absolutes Sperrgebiet.

Diesen Anblick hatte ich bisher auch nicht auf der gesamten Strecke …

Der Dachs lag dort so friedlich und die Straße wird nur von ganz wenigen Autos genutzt. Schade um das schöne Tier.

Vor dem Wald bei Weißenbrunn sieht man schon von Weitem ein Projekt der Deutschen Einheit. Hier die neue Bahnlinie Nürnberg – Berlin. Der Bogen überspannt ein großes Tal und einen Stausee mit dem schönen Namen Froschgrundsee.

Ohne Einheit wäre den Leuten dies erspart geblieben. Nur wie lange dieses gedauert hat, ist einfach nicht zu verstehen. Die gleichzeitige geplante Autobahn war viel schneller fertig. Hier am See traf ich eine vierköpfige Familie aus Dresden, die in Hof die Grenztour gestartet hatte und in 14 Tagen in Bleckede an der Elbe sein möchte.

Zur Unterkunft in Oberwohlsbach ging es wieder durch ein schönes Tal mit netten Ausblicken auf kleine Dörfer.

Mittelberg

Der Unterschied zwischen der Unterkunft gestern und heute könnte nicht deutlicher sein. Schon beim Anblick des Gebäudes wird einem dies klar. Beim Übernachtungspreis und Abendessen ist er noch deutlicher zu ersehen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Vor ein paar Tagen habe ich einen rot-weißen Bulli den Kolonnenweg hochfahren sehen.

Den Untertitel habe ich damals geschrieben!

Heute weiß ich auch, wer er ist. Er macht Foto – und Filmreportagen aus Leidenschaft. Damals habe ich mich gefragt und für mich auch notiert, ob er wirklich weiß, was er dort macht. Jetzt weiß ich…er weiß was er macht.

In Ummerstadt habe ich auch noch eine belgische Motorradfahrerin getroffen, die für ein Bikermagazin in Belgien einen größeren Artikel über die ehemalige Grenze schreibt. Zu Beginn meiner Reise hätte ich nicht erwartet, dass so viele Leute auch das „Grüne Band“ bereisen und ich treffe ja nur einen Bruchteil….

Morgen gibt es in Coburg einen Stop für eine Nacht. Keine Grenzerfahrung – so denke ich.

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