Mellrichstadt – Ummerstadt 15.08.2020

Nach meinem gestrigen „Zwangsruhetag“ aufgrund starken Regens in Mellrichstadt musste ich heute früh los. Denn ich musste zwei Tagesetappen fahren, um mein Ziel in Ummerstadt zu erreichen.

Vorher noch ein paar Einblicke aus Mellrichstadt. Da es ab 15:30 Uhr trockener war, konnte ich einen kleinen Gang machen.

Da ich einen Teil der Strecke schon durch die Anreise kannte, konnte ich zu Anfang recht zügig fahren. Ich brauchte ja, so dachte ich, nicht mehr auf Besonderheiten achten.

Etwas ist mir dann aber doch aufgefallen.  Am 18.08.1946 – in Zeiten des kalten Krieges – ist an der Straße nach Sondheim ein Wagen mit US-Soldaten verunglückt. Dabei verstarb ein 19-jähriger Mensch.

Der nachfolgende Ortsname gibt zum Teil die Stimmung wieder. Fast alle Felder sind abgeerntet, was immer früher in der Jahreszeit passiert und auch sonst war die Stimmung in der Natur zum Teil heute so.

Heute ging es mal durch Bayern und dann mal wieder durch Thüringen. In Bayern war heute sogar Feiertag, aber nur in den Orten mit überwiegend katholischem Glauben. So fuhr ich durch viele schöne kleine Ortschaften mit den Namen Immelshausen, Eyershausen, Alsleben, Hellingen, Gleismuthhausen, die zum Teil im Naturpark Haßberge liegen. Bei Alsleben kommt man zur Quelle der Fränkischen Saale. Dort traf ich einen Mann, der an dieser Stelle immer Wasser für seine Bienen holt. Soll sehr gesund ein. Habe auch einen Liter für die weitere Fahrt mitgenommen.

Die Saalequelle lag im Westen direkt im Grenzgebiet. Nicht weit davon entfernt wurde ein Kreuz aus dem Grenzzaun gebaut und erinnert an die hier ehemalige Grenze. Kurz vor Gompertshausen (Thüringen) steht an der Straße noch ein Turm.

Der größte Teil der Strecke ließ sich sehr gut fahren. Es ging immer etwas wellig durch eine schöne Gegend, egal ob Osten oder Westen. Auf dem Weg zum Bayernturm kommt man an einen Waldfriedhof vorbei, der sehr gestaltet ist. Dort suchten auch gerade drei Leute eine Stelle für die verstorbene Mutter, Ehefrau und Oma aus und fragten mich, ob ich mich hier auskennen würde. Hier konnte ich nicht helfen.

Jedenfalls hat man einen schönen Blick auf Alsleben von dieser Stelle aus.

Der 38m hohe Bayernturm wurde extra 1966 gebaut, damit die Westdeutsche Bevölkerung gut ins Grenzgebiet rüber zur DDR schauen konnte. Hier wollte ich eigentlich die letzte Nacht verbringen. Aber der Regen hat dies leider verhindert.

Auch zwischen Zimmerau und Rieth wurden Reste der Grenzanlagen stehen gelassen. Genauso wird hier der Kolonnenweg in großen Teilen freigehalten, wie ich es selber später noch feststellen konnte.

Stellvertretend für alle Orte hier ein paar Bilder aus Rieth. (Ich hatte Rieth deshalb oben in der Auszählung nicht erwähnt) Rieth hat mir von den Orten auch am besten gefallen. Hier haben Sie noch ganz viele Erdkeller, insgesamt 5 Brunnen, die von einer Quelle gespeist werden, alte Lautsprecher an den Telegrafenmasten und eine eigene Brauerei für die Bewohner. So wie hier auch, gibt es dies auch noch in anderen Ortschaften. Auch viele Backhäuser werden noch gemeinsam genutzt. Hier tauschte ich den letzten Rest Saalequellwasser gegen Quellwasser aus Rieth.

Im Hintergrund ein Eingang eines Erdkellers und auch ein Lautsprecher.

Möchte jemand ein altes Schloss in Hellingen kaufen?

Auch den gibt es noch in Hellingen zu sehen:

In Poppenhausen machte ich gegenüber der Kirche meine Mittagsrast.

Ich weiß das die Stromkabel stören!!

Hier wird an einer Stelle der Weltkriegsopfer und der ermordeten Juden gedacht.

Es dauerte nicht lange und Lotte, sie wohnt im Haus hinter der Sitzbank, kam und fing ganz nett mit mir zu plaudern an. Wie ich heiße, woher ich komme, was ich mache, alles wollte sie gerne wissen. Ein sehr aufgewecktes Kind.

Später in der Kirche aufgenommen.

Sie holte dann aber schnell Holger und Jacqueline (ihre Eltern) und wir kamen alle sehr nett ins Gespräch. Holger kommt aus der Gegend um Schweinfurt und hat sich dann nach der Grenzöffnung mal so umgeschaut. So lange geht die Beziehung schon und insgesamt 4 Kinder sind daraus entstanden. Und jetzt wohnen Sie in einem alten Fachwerkhaus, was aber schön renoviert ist. Jacqueline hatte den Schlüssel zur Kirche und ich durfte sie mir von Innen ansehen. Sie ist erst gerade renoviert worden, was man auch sehr deutlich sieht.

Zum Abschluss ‚musste’/durfte ich mir noch den Spielplatz von Lotte ansehen 🙂

Anschließend führte mich mein Weg zum südlichsten Zipfel der DDR. Er liegt in der Nähe der Ortschaft Eckartshausen (Bayern).

Schön gemäht, aber zum Radfahren nicht geeignet.
Der südlichste Punkt der DDR zur BRD.

Jetzt habe ich alle gesehen. Nur der Endpunkt fehlt mir noch. Aber dies wird auch bald passieren. In Bayern gibt es „Dreiländerpunkte“ die eigentlich nur „Zweiländerpunkte“ sind. Hier in Bayern unterscheidet man nach Oberfranken, Unterfranken und Thüringen. Wenn es halt so sein muss.

Die Schilder waren schon sehr schmutzig. Da sollte man mal sauber machen!
Zwei Blaue und zwei weiße Felder habe ich geschafft!

Von der Ortschaft Erlebach ist nur der Dorfteich geblieben. Von den 1949 hier noch 29 wohnenden Menschen waren 16 Personen aus den Sudentenland. Sie hatten gehofft hier ihre zweite Heimat zu finden. Laut Anweisung der Behörden sollten dann 1975 alle Personen umgesiedelt werden. Durch verschiedene Umstände sind doch erst 1986 die letzten weggezogen. Anschließend wurde der Ort dem Erdboden gleich gemacht. Heute sieht man nichts mehr, außer man sucht genau und findet evtl. dann Reste vom Bauschutt.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder der von mir durchfahrenen Landschaft.

Beim Abendessen habe ich hier im Lokal mit einem Ehepaar zusammen gesessen, die die Grenze in Abschnitten erwandert, so wie die beiden Zeit haben. Wieder ein nettes Erlebnis gehabt.

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