Eisenach -Heringen (Werra) 08.08.2020

Schon um 08:15 Uhr saß ich auf dem Rad, um wenigstens eine kleine Strecke im Kühlen fahren zu können. Heute ergab es sich durch den Grenzverlauf, dass ich insgesamt elfmal die Grenze kreuzen konnte. Die Konsequenz daraus ist, dass ich eine Menge von Informationen habe und jetzt versuchen muss, daraus ein Tagesprotokoll für mein Reisetagebuch zu machen.

Zurück ging es nach Hörschel und wenig später erreicht man Wartha.

Hier stand die Information, dass der Bahnübergang nach Herleshausen gesperrt ist. Daraus ergab sich ein Gespräch mit einem älteren Radfahrer aus Lauchröden. Nach meiner Karte ging die Strecke vor dem Bahnübergang weiter, was mir der Herr bestätigte. Geboren war er in Wanfried (in der Nähe der Grenze) und hat die restliche Zeit seines Lebens in Lauchröden (direkt an der Grenze) gelebt. Nach kurzer Zeit trennten sich unsere Wege, weil er noch weiter trainieren wollte und dazu in die Berge wollte. Auch die Flussperre gibt es noch und bietet einen Blick auf die Burgruine Brandenburg.

Kurz vor der Grenzbrücke steht ein Mahnmal.

Hier traf ich dann auf ein älteres Ehepaar, das mich ansprach und von sich aus anfing zu erzählen. Er war LKW-Fahrer und hat Güter zwischen Ost und West im kleinen Grenzverkehr gefahren und hat immer in Lauchröden gewohnt. Einen Gedanken an Flucht hatten beide nie, auch nicht als die Frau zu Westbesuchen bei Verwandten war. Sie wollte ihre Familie und ihren Mann nicht alleine zurücklassen. Kann man durchaus verstehen. Bei einem ihrer Westaufenthalte hat sie in Herleshausen einen Pullover gekauft, der in Apolda (Glockenstadt) hergestellt wurde. Diesen gab es in der DDR selber nicht zukaufen. Nach dem 09.11.1989 hat der Mann dann fleißig geholfen die Wachtürme zu beseitigen und auch die Wege zur Ruine Brandenburg wieder in Ordnung zu bringen. Sie durften ja ab 1952 nicht mehr dort hin. Die neue Brücke wurde zeitgleich mit der Brücke in Lindawerra eröffnet, wie eine weitere Bewohnerin aus dem Ort bemerkte. Zum Schluss standen wir mit insgesamt 7 Personen mitten zwischen Hessen und Thüringen.

So sah es bis 1989 aus.
Heute, hier noch ohne uns.

Am Orstende gibt es dann diese Stelle. Hier ist bestimmt am Abend mehr los.

Auf dem weiteren Weg nach Sallmannshausen sieht man den ehemaligen Grenzverlauf. Schön war heute auch, dass es an ganz vielen Stationen Hinweistafeln gibt.

Gut war auch, dass der Weg immer im Tal der Werra bleibt und zum Teil auch im Schatten liegt. Auch die Kühe wissen, wo es etwas kühler ist.

Bei Zeiten sieht man auch den großen, künstlichen Berg – im Sprachgebrauch der „Monte Kali“ genannt. Er liegt zu Füßen von Widdershausen und Heringen.

Vor Gerstungen kommt man auch noch an die alte Bahnlinie vorbei, die extra damals gebaut wurde.

„Die Bahnstrecke Förtha–Gerstungen war eine eingleisige Hauptbahn in der DDR (Thüringen). Sie bestand von 1962 bis 1992 zur Umfahrung des auf westdeutschem Gebiet (in Hessen) gelegenen Streckenabschnittes Herleshausen–Wommen der Bahnstrecke Halle–Bebra.“

Auch gibt es hier wieder eine größere Anzahl von Störchen. Die waren unterwegs ‚verloren‘ gegangen.

Hübsche Ort gibt es auch in diesem Streckenabschnitt, wie hier in Gerstungen.

Der Bahnhof

Zwischen Ober-und Untersuhl lief die Grenze sehr eng an den Häusern vorbei. Viele Infos werden dem Besucher an Tafeln zur Verfügung gestellt.

Hier sogar mit „Grünem Band“ dekoriert.

Von meinem Mittagsrastplatz oberhalb der Werra bei Dankmarshausen konnte ich ein kleines Naturschauspiel beobachten.

In Dankmarshausen bin in dann in den Zipfel der DDR gefahren, der so richtig nach Hessen reinragt. Ich habe alle Übergänge abgefahren. Hier nur eine kleine Bildauswahl.

So wäre der Blick ohne Mauer gewesen.

Wie warm es heute war, zeigt am besten folgendes Bild:

Auch zwischen Dankmarshausen und Widdershausen ist die Grenze sehr nah bei den Häuser gewesen. Alle drei Bilder sind vom gleichen Standpunkt aus gemacht.

Schön, dass die alten Betonplatten hier eine neue Funktion erhalten haben. An ganz vielen Stellen sind sie als Einstiegshilfe für Kanufahrer umgebaut worden.

Das war ein erlebnisreicher Tag auf der doch kurzen Strecke von Eisenach nach Heringen. Das sollte aber noch nicht der Schluss sein. Beim Italiener bin ich mit Heike (gebürtig aus HH) und Ton (von Antonius) ins Gespräch gekommen. Ein wirklicher netter Abschluss des Tages. Die beiden sind drei Wochen lang von Arnheim (da wohnen beide jetzt) nach Prag unterwegs und wollen sich auf der Moldaubrücke küssen. Aber auch unterwegs soll dies passieren, wie mir Ton augenzwinkernd sagte. Auch in Wesel im alten Lippehafen haben sie übernachtet, da Sie ein Stück der Römerroute geradelt sind. Ich wünsche Euch noch eine gute Fahrt und eine schöne Zeit bis Prag.

Der Inhaber der Pension am Werratal in Heringen verfolgt auch meinen Blog. Sehr schön, wie auch mein sehr großes Zimmer mit Sitzecke und schnellem Internet. Bilder hochladen für den Blog ging heute zum Glück sehr schnell.

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