Duderstadt – Heilbad Heiligenstadt am 03.08.2020


Nicht weit vom Ort der Übernachtung im Hotel Kurmainzer Eck entfernt, gibt es einen See, der im Winter zu Eisnutzung gebraucht wurde. So kühlte man ja früher alles Mögliche. Aus diesem Grund wurde der See sauber gehalten und die Kinder konnten wunderbar Schlittschuh laufen.
Durch das Westtor bin ich zurück ins Zentrum gefahren und habe mir noch einige Straßenzüge angesehen, bevor es wieder nach Teistungen zum Grenzlandmuseum ging.

„Wiedervereinigung“


Der Radweg führte mich durch das Freigelände des Museums, das ich gestern ausgelassen hatte, über den Kolonnenweg hoch zur Spitze.

Der Weg führte immer an den Lampen entlang. Bis ganz nach oben. Die Spitze ist nicht mit drauf.
Links und rechts Zaun.


Ich war ja schon von Hötensleben beeindruckt, aber hier ist die Grenzsituation noch viel größer belassen. Man kann es sich richtig vorstellen, wie es einem als NVA Soldat ergangen sein muss.

Selbst der Minengürtel wird hier regelmäßig gepflügt und von Wildkräuter freigehalten, wie man rechts auf dem letzten Bild deutlich erkennen kann. Links, hinter dem Beobachtungsbunker, ist der Hundefreilaufbereich zu sehen. Dass trotzdem immer wieder Menschen versucht haben in den Westen zu fliehen, ist einfach unvorstellbar.


Oben am Wachturm (nicht mit auf dem Bild) wurde ich von einem Herrn angesprochen, der aus Duderstadt kommt und ganz viel Verwandtschaft in den Orten hinter der Grenze hatte. Es gab ja hier den kleinen Grenzverkehr und die Westbürger durften mit PKW in den grenznahen Bereich einreisen. Er konnte sich noch gut erinnern, wie seine Eltern Zement, Fliesen und Werkzeuge mitgenommen haben, wenn es mal wieder zu einem Besuch in den Osten ging. Auch erzählte er, dass es immer wieder Personen gegeben hat, die viel zu nah an den Zaum von westlicher Seite gegangen sind. Wie schon erwähnt, stand der letzte Zaun ja etwas landeinwärts. Die Grenzpfähle markierten den genauen Grenzverlauf. Manche wurden dann auch für eine Nacht verhaftet und erst am nächsten Tag wieder frei gelassen.
Alle kleinen Ortschaften, die man durchfährt, liegen im Tal. Um dorthin zu radeln, muss man allerdings immer über den Berg. Also standen auch heute wieder etliche Höhenmeter auf dem Programm. Trotzdem erreichte man nach kurzer Fahrt Immingerode (Niedersachsen). Hier steht der erste Hinweis zur einer Massenflucht 1961 von Einwohnern des benachbarten Dorfes Böseckendorf.


Würden nicht die kleinen Schilder der Landkreise hier stehen, würde man unbemerkt nach Thüringen reinfahren.

Auch am Straßenbelag kann man es noch sehen.


Bei der Einfahrt nach Böseckendorf wird man von der Linde begrüßt, die kurz nach dem 30jährigen Krieg gepflanzt wurde.

Im Ort selber habe ich keine Hinweise mehr gefunden. Erst bei einem kleinen Abstecher an der Straße nach Nesselröden gibt es eine Gedenkstelle zur Grenzöffnung und auch weitere Informationen.

Da hier nur schlechte Fotos möglich waren, füge ich an dieser Stelle Bilder aus dem Grenzlandmuseum Eichsfeld ein. Diese hatte ich schon am Sonntag gemacht.

Der rote Bereich ist der grenznahe Sperrbezirk.


Mitten in der Abfahrt nach Weißenborn im Wald kommt man in einer Spitzkehre an die ehemalige Grenze.

Früher bog der Weg, der von rechts kommt nach links ab.

Statt der großen Schilder wird hier mit kleinen Steinen und Sprüchen zum Teil auf die Teilung der beiden deutschen Staaten hingewiesen. Hier an der der Straße nach Glasenhausen:

Auf der rechten Seite der Gedenkstein. Unterhalb steht der Spruch.

Wenig später wechselt man dann wieder die Ländergrenze.

Und so sieht die Landschaft von diesem Punkt aus, bzw. dies ist der Blick auf Siemerode.

In der Ortschaft Mengelrode bin ich dann abgebogen, um zum Heilbad Heiligenstadt, der Partnerstadt von Husum in Schleswig-Holstein, zu gelangen. Theodor Storm hat hier rund 7 Jahre seines Lebens verbracht.
Als erstes sind mir bei meinem Rundgang durch den Ort die sehr großen Kirchen ins Auge gefallen. Es gibt zwar auch einige Fachwerkhäuser, aber bei weitem nicht so viele wie in den letzten Orten.
Überrascht war ich dann doch vom Inneren der Kirche. Bei St.Aegidien hätte ich so einen schönen Altarraum nicht erwartet.

Dafür ist der Altarraum von St. Marien wieder ganz schlicht. Hier sind die bunten Fenster der Blickfang. Von außen hatte ich es anders erwartet.


Heute war wieder richtig gutes Radfahrwetter. Wenig Wind und gute Straßen. Bei den Abfahrten zwischen den Orten konnte man es so richtig laufen lassen. Leider fehlte mir 0,1 km/h, um die 50 km/h zu schaffen. Da habe ich wohl doch einen Moment zu früh gebremst.

Selbst beim Einkaufen und beim Bäcker wurde ich heute angesprochen. Ich hatte ein Shirt vom Kiel-Lauf an und alle wollten wissen, ob ich wirklich mit dem Rad von dort gekommen bin. Und auch daraus entwickelten sich sehr nette Gespräche, die so einen Tag perfekt abrunden.

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