Hornburg – Wernigerode 17.07.2020

Bei bestem Radfahrwetter stand heute die vorerst letzte Etappe an.

Es geht in den Harz und dort werde ich gemeinsam mit Ulrike 14 Tage Urlaub machen. Hier stehen dann drei Tagesetappen auf dem Grenzweg an.
1.) Ilsenburg – Brocken 2.) Brocken – Sorge 3.) Sorge – Walkenried 
Das bedeutet auch, dass ich den nächsten Reisebericht erst dann schreibe, wenn wir eine dieser Touren gemacht haben. Am 01.08.2020 geht es dann mit der Radtour weiter.
Aber heute stand ja die Etappe von Hornburg nach Wernigerode an. Schon kurz nach Hornburg hat man den ersten Blick zum Brocken und man fährt an einem kleinen Wäldchen vorbei. Aufgrund des Namens ganz lustig!

Wie mir später ein Radfahrer bei Abbenrode erzählte, wäre heute eine sehr gute Sicht und schönes Wetter dort oben gewesen. Er ist mit dem Rad zum Brocken hochgefahren!!
Ich muss mich verbessern.

Hornburg hat sogar vier Übergänge an Straßen.

Die nächste Begebenheit hatte ich dann kurz nach der Ortschaft Rimbeck. Daher heute mal wieder ein Bild einer Kirche.



Der Friedhof ist etwas außerhalb des Ortes und dort traf ich auf Frau H. Mehr sollte ich nicht schreiben. Sie erzählte mir die traurige Geschichte ihres Mannes, der schon im Januar 1981 verstorben ist. Er kam nicht von einer Versammlung der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) zurück und man hat noch in der Nacht angefangen nach ihm zu suchen. Doch erst am nächsten Morgen hat man ihn dann in einem kleinen Bach, keine 20 cm hoch mit Wasser gefüllt, tot gefunden. Er war von der Brücke wohl unglücklich gestürzt. Ganz so einfach war es mit der Beerdigung auch nicht. Rimbeck lag ja voll im Sperrbezirk und die Einreise war nur mit Genehmigung möglich. Und der Antrag musste von der Verwandtschaft auf den Tag genau gestellt werden. Der Vorsitzende der LPG hat sich daraufhin eingeschaltet und alle Verwandten waren anwesend. Jedenfalls hat sie jetzt drei Gräber zu betreuen. Ihre Eltern sind beide am 30.03. in unterschiedlichen Jahren gestorben und liegen auf dem gleichen Friedhof. Sie könne sich noch gut erinnern, wie sie früher als kleines Mädchen zum „Kleinen Fallstein“ gegangen sind. Mit ca. 13 Jahren hatte sie eine seltsame Begegnung mit den russischen Soldaten im Grenzgebiet. Zu diesem Zeitpunkt konnte man noch nach Hornburg gehen. Dies haben auch noch sehr viele aus den kleinen Orten gemacht. Später konnten sie das nicht mehr und es sei auch nie eine Option gewesen vorher in den Westen zu gehen. Es war ja ihr Heimatort. Und anschließend hatten sie sich damit abgefunden, dass man nicht mehr dorthin konnte, wo man früher hingekommen ist. Bei ihren Erzählungen habe ich doch tatsächlich ein wenig Gänsehaut bekommen. So rührend hat sie erzählt und später kam dann auch bei ihr einige Tränen.
Wie fährt man dann weiter? Ich habe mir jedenfalls Gedanken gemacht und wurde wenig später am Grenzdenkmal Wülperode – Wiedelah wieder mit der Vergangenheit konfrontiert.

Infotafel
Blick auf die Anlage
Nicht weit von dieser Stelle ist dem Bauarbeiter Hans-Georg Kruse die Flucht gelungen.

Die Pflege dieses Grenzdenkmals hat das „Fallstein-Gymnasium Osterwieck am 09.11.2016 übernommen. Und es war in einem sehr guten Zustand. Vielen Dank an die Schule! Der weitere Radfahrweg liegt sehr versteckt zwischen den Gebüschen. Ich denke ganz viele Radfahrer werden die Hauptstraße zum Ort Wiedelah fahren und dort dann wieder die ausgeschilderte Strecke nutzen. Dabei fährt man sehr schön um einen kleinen Baggersee. Leider ist Baden verboten!
Zwischen Abbenrode und Lochtum gibt es die Brücke der Einheit. Hier steht auch ein Teil eines Grenzdenkmals, das sich über 3km auf der Grenze befindet. Eine richtige Erklärung findet man vor Ort nicht. Im ‚bikeline‘ Reiseführer wird es einem aber erklärt. Ich habe zwei Stellen davon gesehen.

Der schwarze ovale Kreis ist der Standpunkt.
Als ob es immer so gewesen ist.

An dieser Stelle traf ich auf zwei Radfahrer aus den Niederlanden, die sich die Infotafeln auch angesehen haben. Sie hatten zu dieser Grenze überhaupt keine Beziehung. Hatten zwar davon auch gehört, aber so für sich nicht wahrgenommen. Von hier aus ging es wunderschön durch das Eckertal nach Stapelburg. Eine sehr interessante Stelle, die auch sehr schön beschrieben wird.

Am Tag der Öffnung. Man beachte die Nähe des Turms zum Wohnhaus.
Und so sieht es heute aus. Die kleine Mauer hat man stehen gelassen.

Hier muss ich später dann nochmal mit dem Auto hin. Ein Bild ist leider nicht so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Es ist aber eine sehr schöne Idee, die dort jemand hatte. Das Bild kommt dann in einen späteren Blog.
Auch hier ging es dann – zum Teil leicht bergan – durch die Wälder in Richtung Ilsenburg. Hier habe ich dann die Strecke verlassen und bin dem R1 in Richtung Wernigerode gefolgt. Hier begegnete ich einem älteren Herrn aus Delft, auch in den Niederlanden, der den R1 bis nach Berlin fahren will. Evtl. will er auch noch weiter nach Polen rein – wie er Zeit und Lust hat. Jedenfalls trennten sich unsere Wege sehr schnell. Zeit zum Bilder machen hatte er nicht. Und ich musste doch in Drübeck ein Bild machen und es in die Skatgruppe setzen. Solche Ähnlichkeit mit Lübeck muss man einfach festhalten.
Jedenfalls war er nicht mehr gesehen, da er ja noch rund 30 km bis Thale fahren wollte. Schon nach kurzer Zeit erreichte ich dann mein Ziel Wernigerode.

Schloß Wernigerode

Ganz grobes Fazit der ersten Wochen: Es war sehr schön und gut, dass ich mir so viel Zeit genommen habe. Dadurch konnte ich, wie erwünscht und gehofft, wirklich rechts und links der ehemaligen Grenze meine Grenzerfahrung2020 sammeln.

Fakten: keine Panne! 1.525 km gefahren und dabei fast 96h im Sattel gewesen.

Jetzt freue ich mich aber darauf, 14 Tage an einem Ort zu sein und nicht jeden Abend Essen gehen zu müssen. Gerne darf es jetzt auch einmal Möhren-Kartoffelstampf mit Mettwürstchen sein.
Bis dahin und allen, die jetzt auch noch Urlaub machen, wo und wie auch immer schöne Tage.

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